Erfahrungsbericht

 

Drei Wochen Praktikum in Pottstown, PA, einer kleinen Stadt in der Nähe von Philadelphia (USA) sind um und ich blicke auf eine interessante und bedeutungsvolle Zeit zurück.

Gelernt habe ich dabei nicht nur, was amerikanische Polizeiarbeit wirklich ist und sein kann, sondern konnte auch die Zusammenarbeit zwischen den Gerichten und der Polizei, dem Staatsgefängnis von Pennsylvania und der Polizei und den Polizeidienststellen untereinander beobachten.

Das Department von Pottstown ist eine Dienststelle, die neben dem Schichtdienst des täglichen Einzeldienstes auch Sachbearbeiter (Detectives), Hundeführer ( K-9), ein Drogenbekämpfungsteam im Alltag und im Straßenverkehr ( DUI), Schulausbilder (DARE-Team) und die Einsatzleitstelle in einem Gebäude enthält.

Eine solche Dienststellenzusammensetzung bot mir deshalb die Möglichkeit einen Einblick in diverse verschiedene Bereiche zu erhalten.

 

Bereits am ersten Tag bekam ich nach einem kurzen Empfangs- und Einführungsgespräch mit dem Captain des Reviers einen Einblick in die Einsatzleitstelle, bevor ich dann die ersten Stunden im Streifenwagen verbrachte und einen Überblick über die Stadt Pottstown und das dazugehörige Einsatzgebiet des Departments erhielt. Außerdem konnte ich bei Einsatzanlässen  wie „häusliche Gewalt“ oder Zivilstreitigkeiten und Sachbeschädigungen durch Graffiti feststellen, dass die Probleme in Deutschland und Amerika vergleichbar sind.

 

Schon der zweite Tag beinhaltete ein besonderes Highlight, denn ich konnte einen Undercover-Kollegen des Drogenbekämpfungsteams begleiten und beobachten. Er zeigte mir dabei nicht nur die örtlichen Drogenschwerpunkte sondern wies mich außerdem in verschiedene Kleinstdigitalkameras und Videorecorder ein, mit denen die Kollegen in Pottstown ihre Observationen in Bild und Ton aufzeichnen.

 

Im Folgenden gab es Tage, an denen ich zum Beispiel das Training der Hundeführer „K-9“ bei der Durchsuchung einer Klinik für drogenabhängige Straftäter begleiten konnte. Außerdem besuchte ich einen Trainingstag der Spezialeinheit „SWAT“, wobei ich hier nicht „nur“ Zuschauer oder Besucher war, sondern sogar selber in die Handhabung der Shot-Gun bzw. einer mir bis dahin unbekannten MA 16 (Maschinenpistole) eingewiesen wurde und auf der Revier – Shooting – Range schießen durfte.

 

Ein Höhepunkt meiner Hospitation war allerdings eine nächtliche Verkehrskontrolle auf dem Highway, aus deren Anlass der dreispurige Highway mit Hilfe von Fackeln einspurig gemacht wurde und damit alle vorbeifahrenden Fahrzeuge gestoppt und kontrolliert werden konnten. Schwerpunkt dieser Kontrolle war auch hier die Drogenbekämpfung. Dazu hat sich in den USA das DUI-Team (Drive under influence) gebildet. Es handelt sich dabei um Kollegen, die nun revierübergreifend gemeinsam Drogen im Straßenverkehr bekämpfen wollen.

 

In Amerika wird das „community policing“, d.h. die Polizeiarbeit am Bürger nicht als Überwachung sondern als Dienstleistung besonders groß geschrieben. Ein Bereich deckt dabei das DARE-Team ab, wobei es sich um Kollegen handelt, die über einen Zeitraum von mehreren Wochen eine Schulklasse begleiten und regelmäßig besuchen und im Umgang mit Respekt, Achtung und Toleranz sowie dem Missbrauch von Zigaretten und Alkohol schulen. Ich habe einen der Kollegen aus Pottstown bei einem solchen Besuch in einer Schulklasse besucht und war von der Begeisterung der kleinen Schüler sehr beeindruckt. Obwohl sie alle sogar Hausaufgaben von dem Kollegen aufbekommen haben und regelmäßig kleine Wissenstest durchgeführt werden, sind diese Stunden für die Schüler die Lieblingsstunden und alle bemühen sich ganz besonders, ihr Heft ordentlich auszufüllen, um am Ende den DARE-Löwen aus Plüsch zu bekommen.

 

Die restlichen Tage waren dann geprägt von verschiedenen anderen interessanten dienstlichen Aktivitäten. So ging ich zum Beispiel im Rahmen einer Nachtschicht Fußstreife durch das Drogenviertel, führte Zuführungen zu verschiedenen Gewahrsamsorten durch und lernte die Art der Geschwindigkeitsmessungen in Pottstown kennen.

 

Der absolute Höhepunkt war allerdings, dass ich an einer nichtöffentlichen Anhörung zweier Beschuldigter teilnehmen durfte. Diese hatten zuvor einen bewaffneten Raubüberfall auf einen Imbiss begangen und dabei eine der Angestellten niedergeschossen. Die Anhörung war besonders beeindruckend, da sie mir einen Einblick in die Durchführung der amerikanischen Gerichtsbarkeit bot.

 

Alles in allem ist es mir ehrlich gesagt nicht möglich, sämtliche Eindrücke und Erfahrungen niederzuschreiben, so dass ich mich bei diesem Bericht auf die Highlights beschränkt habe. Diese drei Wochen Praktikum waren geprägt durch die amerikanischen Kollegen, die wirklich alles versucht haben, um mir meinen Aufenthalt unvergesslich zu machen. Anfängliche Sprachbarrieren wurden innerhalb kürzester Zeit überwunden, indem die Kollegen versucht haben, möglichst langsam zu reden und zur Not ihre Sätze umzubauen und verständlich zu vermitteln.

Alle meine dienstlichen Wünsche wurden nicht nur erfüllt sondern sogar weit übertroffen. Die liebevolle Art, mit der ich in Pottstown aufgenommen wurde, hat es mir ermöglicht die drei Wochen zu genießen und unheimlich viel an Erfahrungen und Eindrücken wieder mitzunehmen und nun hier im Einzeldienst wieder anwenden zu können.

 

Ich bin sehr froh, Pottstown als Hospitationsdienststelle ausgesucht zu haben und bin überzeugt davon, dass ich diese schönen Erfahrungen und Eindrücke mein Leben lang nicht vergessen werde.

 

 

 

 
Sandy Schönefeld